B.I.N. für Bensberg Bürger Initiative Natur

Die Bürgerinitiative „B.I.N. für Bensberg“ wurde ins Leben gerufen, um den natürlichen Charakter der Stadt Bergisch Gladbach zu erhalten. Konkret richtet sich die Initiative gegen die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie auf den Grünflächen in dem Gebiet Friedrich-Ebert- Straße/Overather Straße/Vinzenz-Pallotti-Straße in Bensberg.

Im Sommer wurden die konkreten Pläne der Firma Georg Musculus bekannt, ihre Produktions und Geschäftsräume aus dem Gewerbegebiet Frankenforst auf das Grundstück Vinzenz- Pallotti-Straße/Overather Straße zu verlegen. Von eher untergeordneter Bedeutung ist die zusätzliche Planung einiger Doppelhaushälften im oberen Abschnitt östlich der Vinzenz-Pallotti-Straße. Hierzu hat die Firma Musculus (respektive haben deren Inhaber) das besagt Grundstück bereits vom Vorbesitzer Hermann-Josef Spicher erworben. Die betroffenen Grundstücksflächen liegen bis dato noch außerhalb eines Bebauungsplanes.

Für den Gesamtraum Bensberg gibt es eine (informelle) Rahmenplanung, bei welcher die Stadtverwaltung bestimmte Ziele und Maßnahmen definieren kann. Laut Auskunft der Baubehörde wird zurzeit der Bereich „Arbeit und Gewerbe“ vertieft. Die Rahmenplanung sah bisher als Ziel die Erhaltung eines Grünzuges vor, in dem auch das betroffene Grundstück liegt. Mittlerweile hat der Investor seine Vorstellung den Mitgliedern des Planungsausschusses – in diesem sind sämtliche politischen Parteien des Stadtrates vertreten – vorgetragen. Diese haben sich dann mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Möglichkeit der Gewerbeansiedlung weiterzuverfolgen. Die Stadtverwaltung hat in der Hauptausschuss-Sitzung vom 28. Juni den Auftrag erhalten, alle notwendigen Vorbereitungen zur Einleitung eines Bauleitverfahrens (offizieller Titel: Bebauungsplan Nr. 5342 Vinzenz-Pallotti-Str./Overather Straße) zu treffen.

Es ist zu erwarten, dass voraussichtlich in der Sitzung des Planungsausschusses am 1. Dezember 2005 der offizielle Startschuss für das Bauleitverfahren gegeben wird. Das Gebiet dieses aufzustellenden Planes erstreckt sich übrigens über eine Fläche im Westen ausgehend vom besagten Grundstück hoch bis zum Grundstück Vinzenz-Pallotti-Straße 18/18a bis hin zum ersten Teilstück der Friedrich-Ebert-Straße unmittelbar nach der Straßenkreuzung sowie dem Bebauungsplangebiet Nr. 5583 Bockenberg 2 als östliche Begrenzung.

Offenkundig befürwortet die Mehrheit der politischen Parteien unserer Stadt (CDU und SPD) das Vorhaben der Fa. Musculus. Seitens der Politik wird sogar für die Verwirklichung des Musculus-Vorhabens in einem baurechtlich vereinfachten Verfahren (sog. Vohaben- und Erschließungsplan) plädiert, bei dem nur auf das konkrete Vorhaben abgestellt wird.

Unabhängig davon, dass nach Auffassung der B.I.N. für Bensberg hier – wenn überhaupt – nur ein umfassendes Verfahren angezeigt ist, um sämtliche dafür und dagegen sprechende Belange abwägen zu können, spricht sich die Bürgerinitiative klar gegen eine Bebauung der Grünfläche aus.

B.I.N. für Bensberg stützt ihre Ansicht im Einzelnen auf folgende Tatsachen und Bedenken:

 

A. STADTBILD:

Die geplante Umnutzung dieser Fläche würde dem Bild – selbst gegeben und gepflegt - der Stadt Bergisch Gladbach als stark von Grünflächen und Wald geprägt - diametral entgegen wirken, vor allem, weil sie sozusagen am südlichen „Entree“ der Stadt liegt und diesen jetzt positiven ersten Eindruck verschandelt. Bergisch Gladbach und insbesondere auch Bensberg zeichnet neben guten Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten der naturnahe grüne Charakter aus. Die Stadt ist damit ein interessantes Zuzugsgebiet für Familien und ein lohnenswertes Ziel für Menschen, die Erholung suchen: Wandern, Wellness und Sich-Wohlfühlen.

 

B. VORHANDENE NUTZUNG:

Die Fläche grenzt an Wohnbebauung an, die von einer Vielzahl von Familien gerade deshalb ausgesucht worden ist, weil hier stadtnahes Wohnen im Grünen möglich ist. Berufstätige und Eltern mit Kindern haben sich diesen Wohnstandort ausgesucht, weil er außer Natur und Lebensqualität hervorragende Verbindungen mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Bensberg, Bergisch Gladbach und Köln bietet. Gerade mit der Zulassung einer Wohnbebauung auf den ursprünglich gewerblich genutzten Flächen unmittelbar unterhalb des Vinzenz Pallotti Hospitals hat die Stadt Mitte der Neunziger Jahre ein städtebauliches Zeichen gesetzt, dass sie in diesem Gebiet – wenn überhaupt – nur eine Wohnbebauung präferiert. Durch das geplante konkrete Vorhaben wie aber auch durch eine allgemeine Ausweisung der Grundstücksfläche als Gewerbefläche würde daher der Charakter dieses Teils der Stadt als Wohn- und Grünfläche grundlegend verändert.

 

C. UMWELT

Dem Aspekt des Naturschutzes würde keinerlei Rechnung getragen, zumal diese Fläche im Zusammenhang mit der Waldvegetation bis hinein in das Kardinal-Schulte-Gelände, also innenstadtnah, zu sehen und darüber hinaus als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist. Wald- und Grünflächen bieten vielen zum Teil auch seltenen Vogelarten eine Heimat, durch den Wegfall dieser Flächen würden diese Tiere ihrer Nahrungsgrundlage in diesem Gebiet beraubt.

 

D. VERKEHR:

1. Die Fläche gehört zur Ruheschutzzone des Krankenhauses, das vor mehreren Jahren durch eine Palliativstation erweitert wurde. Ein Industriebetrieb würde den ohnehin hohen Lärmpegel (BAB und B55) noch verstärken und so dem Auftrag des Krankenhauses und besonders dem der genannten Station absolut zuwider laufen.

2. Schon jetzt sind die Wagen der Unfallrettung und des Notarztes auf der Vinzenz-Pallotti- Straße bei Einsätzen häufig erheblich behindert.

3. Die Verkehrsdichte ist gerade an dieser Ecke ganztägig sehr hoch. Für Bewohner der Hubertushöhe ist es oft minutenlang nicht möglich, auf die Vinzenz-Pallotti-Straße zu fahren, nicht zuletzt, weil die Straßeneinmündung vor allem von LKWs als Wendehammer genutzt wird. Der Industriebetrieb mit erhöhtem Güterverkehrsaufkommen würde diesen Zustand erheblich verschlimmern.

4. Über den Verlauf der Vinzenz-Pallotti-Straße und deren Belastbarkeit ist die Stadt informiert. Schon jetzt ist diese Straße überlastet und eine Gefahrenzone nicht zuletzt für die vielen hier seit einigen Jahren lebenden Kinder, die zu großen Teilen erst in den nächsten Jahren selbständig als Fahrradfahrer oder Fußgänger unterwegs sein werden.

5. Erhebliche, zusätzliche Immissionen jeglicher Art wären unmittelbar mit Baubeginn zu erwarten und würden durch das Industriegebiet zu einem für die Anwohner unerträglichen Dauerzustand.

 

E. WIRTSCHAFT:

1. Ein erhöhtes Steueraufkommen für die Stadt durch diese Maßnahme ist extrem unwahrscheinlich und jedenfalls über längere Zeiträume hinweg nachvollziehbar zu prognostizieren. Die vorhandene Bewohnerschaft im Raume Bockenberg zahlt dagegen regelmäßig und z. T. schon sehr lange der Stadt ein sicheres Steueraufkommen.

2. Es ist höchst zweifelhaft, also bedarf es des Nachweises, ob durch diese Maßnahme der Stadt neue Arbeitsplätze zuwachsen, da der vorhandene Industriebetrieb in Neu- Frankenfort ja aufgegeben werden soll.

Insgesamt gesehen drängt sich der Eindruck auf, dass hier punktuell eine Maßnahme verwirklicht werden soll, um einen Investor zufrieden zu stellen. Das kann nicht im Sinne der Bürger unserer Stadt sein! Die Ansiedlung von einzelnen Gewerbebetrieben in einer überwiegend durch Ein- und Mehrfamilienhäusern geprägten Gegend wäre Ausdruck einer verfehlten Stadtentwicklungsplanung. Hierzu gibt es ja bereits in der Stadt einige negative Beispiele, das sollte genügen.

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