Naturoase oder idealer Standort?

MATTHIAS NIEWELS, 24.11.05, 20:48h


Noch sieht es hier idyllisch aus - Eine Bürgerinitiative will dafür sorgen,, dass es so bleibt.

Am Bockenberg stehen die Zeichen auf Ärger: Anwohner wehren sich gegen eine Industrieansiedlung. Das Unternehmen droht mit der Produktionsverlagerung.

Bensberg:

Rund 900 Unterschriften hat „Bin“, die „Bürgerinitiative Natur“, nach eigenen Angaben bisher gesammelt. Die Menschen haben unterschrieben, um den Bau eines rund 4500 Quadratmeter Nutzfläche großen Gebäudes der Firma Musculus zu verhindern. Es geht um eine Wiese, die für die einen eine „Naturoase“, für die anderen ein „zentral gelegener Produktionsstandort“ ist.

Da sind die Anwohner, die teilweise schon seit Jahrzehnten Am Bockenberg wohnen. Sie mussten miterleben, wie sich ihre direkte Umgebung nachhaltig veränderte. Aus einem eher abgelegenen, ruhigem Standort wurde ein Verkehrsknotenpunkt. Der Autobahnanschluss Moitzfeld liegt vor der Tür und über den Köpfen fliegen die Flugzeuge von Köln / Bonn. Und nun soll auch noch die Wiese vor der Haustür zugebaut werden. Dagegen formiert sich der Widerstand. Auch in dem Neubaugebiet unterhalb des Vinzenz-Pallotti-Hospitals.

Das Hospital selbst wird sich an dem Widerstand nicht beteiligen. Geschäftsführer Reinhold Sangen-Emden: „Solange keine Lärm- und Geruchsbelästigung zu erwarten ist, wird es von uns keinen Einspruch geben.“ Für die Bürgerinitiative ist die Neutralität des Krankenhauses nicht nachzuvollziehen. Carola Bernstein, eine der Sprecherinnen der Initiative: „Es ist doch sehr befremdlich, dass sich ein Krankenhaus damit abfindet, an ein Gewerbegebiet angegliedert zu werden.“

Die Firma Musculus ist ein alteingesessener Betrieb. 40 Prozent des Umsatzes wird mit dem Verkauf von Gartenmöbeln erzielt, 60 Prozent mit der Näherei von Markisentüchern. Und Musculus will expandieren. Klaus Musculus: „Wir brauchen mehr Platz.“ Und da kam die Wiese gerade recht. An deren Standortqualitäten gibt es keinen Zweifel.

Die Anwohner fürchten „unerträgliche Belastungen durch das Industriegebiet“. Sie weisen auf die „Verschandelung der Landschaft“ und den schon jetzt starken Verkehr hin - insbesondere auf der Vinzenz-Pallotti-Straße. Es könne nicht angehen, dass ein Investor zufrieden gestellt werde - und hunderte Bürger darunter litten.

In ihrer Verzweiflung machen sie ein außergewöhnliches Angebot: Die Initiative will Musculus das Gelände abkaufen. Verwiesen wird auf das neue Gewerbegebiet Obereschbach, nur wenige Meter entfernt. Dort könne sich Musculus doch ansiedeln. Gegen dieses Gewerbegebiet gibt es zwar auch Widerstand - aber eine Möglichkeit wäre das schon.

Georg Musculus will davon nichts wissen: „Am Bockenberg ist der ideale Standort für uns.“ Und er sagt auch: „Die Stadt muss wissen, dass wir Angebote von anderen Kommunen haben.“ Sein Bruder Klaus Musculus stellt klar: „Wir brauchen das neue Gebäude innerhalb der nächsten zwei Jahre.“ Er verweist auf die 60 Arbeitsplätze, die es zu erhalten gilt. Musculus will nun auf die Anwohner zugehen und sie über die Pläne informieren. Klaus Musculus: „Von uns geht null Lärm und null Dreck aus. Am Tag werden etwa zwei Lastwagen auf das Gelände fahren. Vielleicht könnten die Menschen uns ja auch als Riegel sehen, der sie vor dem Lärm der Overather Straße schützt.“

In der kommenden Woche wird das Projekt erstmals im Planungsausschuss vorgestellt. Und dann wird auch klar werden, ob es eine politische Mehrheit für Musculus gibt. Die Verwaltung hat das Projekt planungstechnisch aufgenommen. Das letzte Wort haben die Politiker.